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Schule & Wissen
14.12.2021

Acker und Wald rücken zusammen

Aufbau des Agroforstsystems auf dem Betrieb Uherek. Quelle: Corteva Agriscience

Agroforst-Konzepte sind gut für Klimastabilität, Biodiversität und Wirtschaftlichkeit

Von der Kombination des Ackerbaus mit Anbau und Nutzung von Bäumen versprechen sich Experten Vorteile für die Artenvielfalt auf dem Feld und die Erträge der Kulturen und nicht zuletzt eine deutliche Erosionsminderung durch Starkniederschläge oder Wind.

Die Böden des Landwirtschaftsbetriebs Uherek nahe Weißenfels in Sachsen-Anhalt sind eigentlich sehr fruchtbar – wenn genügend Regen fällt, was in einigen der letzten Jahre nicht der Fall war. In anderen Jahren brachten heftige Regengüsse und starke Winde Erosionsgefahren für die hängigen, großen Schläge. So macht sich Betriebsleiter Florian Uherek Gedanken darüber, wie er seinen Betrieb klimastabiler machen kann – ohne dass die Wirtschaftlichkeit darunter leidet. In Zusammenarbeit mit der Firma Corteva, für den sein Betrieb seit 2020 als Innovationsfarm fungiert, testet Uherek das Agroforstsystem – also den gemeinschaftlichen Anbau von Gehölzen und Ackerkulturen.

Die Zukunft des Ackerbaus sichern

Im Frühsommer dieses Jahres wurden dafür fünf je 11 Meter breite Streifen in einen Schlag gefräst. In jeden wurden vier Baumreihen gepflanzt, von denen eine in einigen Jahren als Stammholz genutzt und die anderen zu Hackschnitzeln verarbeitet werden sollen. Die in Hauptwindrichtung und quer zum Hang angeordneten Baumreihen, unter denen Blühstreifen Nahrung für Insekten und Rückzugsorte für Niederwild bieten, werden vielfältige positive Auswirkungen auf das Mikroklima in seinem Schlag haben. So werden sie die Windgeschwindigkeiten reduzieren und für Beschattung sorgen, die tiefen Wurzeln der Bäume halten Wasser und dienen als Nährstoffpumpe. Ob das in dieser Form bereits kostenneutral ist, weiß Uherek nicht so genau. Aber er hält Maßnahmen zur Klimaanpassung für nötig, um die Zukunft des Ackerbaus zu sichern, und denkt außerdem über Hühnermobile auf den Baumstreifen nach.

Nachhaltiges Konzept

Konkret werden der Kombination von Gehölzen mit Ackerkulturen oder Grünland folgende Vorteile für Klima, Biodiversität und Wirtschaftlichkeit gutgeschrieben:

– Verbesserte Wasserversorgung: Bäume reduzieren die Windgeschwindigkeit, das Mikroklima verbessert sich und die Verdunstung in der Ackerkultur wird verringert.

– Die Baumstreifen wirken positiv auf Ertragshöhe und -stabilität der Ackerkultur.

– Gehölzstreifen sind Lebensraum für eine Vielzahl von Arten, erhöhen die Strukturvielfalt und vernetzen Lebensräume.

– Grundwasserschutz: Bäume wurzeln tief und pumpen Wasser und Nährstoffe in obere Bodenschichten. So sind zum Beispiel Nitratkonzentrationen im Grundwasser unter Pappeln wesentlich geringer als unter Ackerkulturen.

– Klimaschutz: Speicherung von CO2 im Holz der Bäume.

– Nutzung der Bäume als Energie- oder Stammholz.

Auch die Mitglieder des Deutschen Fachverbands für Agroforstwirtschaft (DeFAF) sind von den Vorteilen des Systems überzeugt. Deshalb setzen sie sich für Fragen rund um Anlage, Bewirtschaftung, Verbreitung und Förderung von Agroforstsystemen in Deutschland ein (https://agroforst-info.de). Intensiv arbeiten sie auch mit Landesregierungen an der Genehmigungsfähigkeit solcher Anlagen. Bisher haben bereits einige Bundesländer, darunter Sachsen-Anhalt, Wege zu deren Förderung gefunden. Nach Ansicht des DeFAF-Vorstandsvorsitzenden Dr. Christian Böhm besteht nun Hoffnung, dass Agroforstflächen deutschlandweit mit Beginn der neuen GAP-Förderperiode 2023 rechtssicher umsetzbar und förderfähig sind.

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Maik Baumbach

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